Wie vermeide ich interkulturelle Missverständnisse?

 

In der bunten Welt, in der wir leben, ist interkulturelle Kompetenz eine unverzichtbare Stärke. Sie hilft dir sicher aufzutreten, erspart dir Missverständnisse oder sogar Konflikte am Arbeitsplatz und erleichtert dir den Kontakt zu deinen Mitmenschen. Durch deine Migrationserfahrung und den Austausch mit anderen Kulturen hast du eigentlich, vielleicht ohne, dass es dir wirklich bewusst ist, schon wertvolle Erfahrung und Wissen gesammelt. Jetzt gilt es diese zu vertiefen.

Andere Länder andere Sitten

 

 

Endlich hat man die lang ersehnte Stelle bekommen, aber so richtig entspannt bist du nicht. Du hast öfters das Gefühl das Falsche zu sagen oder zu machen, traust dich oft nicht nachzufragen, wenn dir etwas nicht klar ist oder empfindest manche direkten Ansagen des Chefs oder des Kollegen als unfreundlich, sogar als unhöflich. Andersrum lösen manche deiner Fragen Verlegenheit bei deinen Kollegen und du verstehst nicht warum. Warst du vielleicht zu persönlich? Spricht man über gewisse Themen bei der Arbeit nicht?

Arbeitskultur

in Deutschland wird zwischen Beruf und Privatem getrennt. Bei Meetings bleibt man sachlich, zielorientiert, alles andere gilt als unprofessionell.

Abstand/ Nähe

Es gibt sogenannten Kontaktkulturen (die arabische Welt, Lateinamerika, Indien und Südeuropa), wo Menschen viel körperlichen Kontakt und Nähe haben und die Nicht-Kontaktkulturen, so wie zum Beispiel Deutschland und Nordeuropa. Natürlich spielt dabei immer auch die Persönlichkeit, der Charakter, eine Rolle und es gibt auf beiden Seiten Ausnahmen. Hier ist es auf jeden Fall sehr wichtig Abstand zu halten, körperliche Nähe, Berührungen sind unerwünscht. Der ungefähre Abstand bei einem Gespräch in Deutschland beträgt eine Armlänge. 

Blickkontakt

Ein Mann aus Äthiopien wich immer dem Blickkontakt seines Chefs aus. Die Folge war, dass er misstrauisch angesehen wurde. Man hatte das Gefühl, er sei unehrlich, habe etwas zu verbergen oder höre gar nicht richtig zu. Er hingegen fand die direkten Blicke des Chefs respektlos. In vielen Kulturen gilt der direkte Blickkontakt als unhöflich, deswegen, am besten immer nett fragen: wie ist es bei Ihnen? In Deutschland ist der Blickkontakt wichtig. Man schaut dem Gesprächspartner in die Augen, aber Vorsicht: nicht minutenlang anstarren.

Chancengleichheit

Chancengleichheit ist im Grundgesetz verankert. Unabhängig aus welchem Land du kommst, aus welchem sozialen Umfeld, ob Frau oder Mann- alle sollen in Deutschland die gleichen Chancen haben, sich zu entwickeln und zu verwirklichen.

D Duzen und siezen

Wer bietet es wem wann an? Als Regel gilt: der Ältere bietet dem Jüngeren das Duzen an, der Vorgesetzte dem Angestellten, die Frau dem Mann.

Diskriminierung

Niemand darf aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion diskriminiert werden. Lass dir keine diskriminierende oder rassistische Bemerkungen gefallen, sprich deinen Vorgesetzten an. Wenn das nichts bringt, wende dich an eine lokale Antidiskriminierungsstelle. Sehe nicht weg, wenn es einem anderen passiert!

Einladungen zum Essen

In vielen Ländern ist es üblich, seine neuen Kollegen oder den Chef zu sich zum Essen einzuladen, ja, sogar darauf zu bestehen und kein Nein als Antwort anzunehmen. In Deutschland ist das nicht üblich (Privatsphäre und Arbeit werden strikt getrennt). Außerdem ist Aufdringlichkeit als etwas Negatives gesehen. Natürlich sind solche Einladungen möglich, aber erst und nur dann, wenn sich mit der Zeit eine freundschaftliche Beziehung entwickelt.

Frauenrechte

Wie du schon bestimmt weißt, gibt es in Deutschland Gleichberechtigung: Frauen und Männer haben die gleichen Rechte, natürlich auch am Arbeitsplatz. Als Frau sollst du dich nie unterlegen fühlen. Was zählt ist fachliche Kompetenz.

Geschenke 

Dein Chef hat Geburtstag, was machst du da? Ich schenke ihm eine teure Uhr, ein Parfüm, eine schöne Krawatte, waren Antworten in einem Integrationskurs. In Deutschland ist das undenkbar und würde den Chef nur in Verlegenheit bringen. Dem Chef gratuliert man und das reicht auch. Andersrum wenn du Geburtstag hast, kannst du gern ein Frühstück spendieren oder einen Kuchen mitbringen. Da freuen sich die Kollegen bestimmt.

Hierarchien

In jedem Betrieb gibt es bestimmte Hierarchien, die man respektieren sollte. Dein erster Ansprechpartner bei Problemen ist dein direkter Vorgesetzter und nicht der große Chef. Wenn der Chef oder die Kollegen im Urlaub sind, respektiert man ihre Freizeit und ruft sie nicht an und schickt auch keine E-Mails. Das Gleiche gilt für das Wochenende.

Ironie/ Humor

Vorsicht was Witze betrifft. Humor ist ein sensibles Thema, kulturell geprägt und kann zu Missverständnissen, Beleidigungen führen. Lachen ist zwar etwas allgemein Menschliches, aber das worüber wir lachen ist sehr unterschiedlich.

Jahresfeste, Firmenfeste

Jede Firma organisiert vor Weihnachten eine große Weihnachtsfeier mit Essen und Trinken. Auch wenn die Stimmung sehr entspannt ist, sollte man immer zurückhaltend sein mit Bemerkungen, die man später bereuen könnte. Egal wie lustig es zugeht, die Weihnachtsfeier bleibet eine Betriebsfeier und keine private 

Konflikte 

Nimm nicht alles persönlich. Es ist wichtig zu lernen, Konflikte sachlich auszutragen. Als erstes solltest du klären, ob es sich nicht um ein sprachliches Missverständnis handelt. Danach kannst du höflich und mit Argumenten deine Meinung äußern. Achte immer auf den Ton! Laut werden geht gar nicht, bei einem Konflikt zählen Argumente und nicht die Lautstärke. Versuche immer Kompromisse zu finden.

Kritik

Kritik ist ein sehr sensibles Thema, in vielen asiatischen Ländern bedeutet Kritik in der Anwesenheit anderer Personen Gesichtsverlust. Deswegen sollte Kritik immer unter vier Augen stattfinden. Es gibt auch Länder, wo Männer große Schwierigkeiten haben, Kritik von Seite einer Frau zu akzeptieren. Das ist in Deutschland anders. Lerne mit Kritik umzugehen. Übe dich daran, Meinungsverschiedenheiten zu respektieren und gehe davon aus, dass niemand perfekt ist. Man kann Sachen immer noch besser machen und konstruktive Kritik bringt dich weiter.

Lebenslauf

Details dazu findest du auf unsere Seite „Worauf sollte ich achten?

Mobbing

Wenn dich ein Kollege wiederholt schikaniert, mit dir abwertend spricht, hinter deinem Rücken schlecht über dich redet oder über dich lacht ist das Mobbing. Und das ist verboten.

 

Nonverbales Verhalten

Die Körpersprache ist sehr wichtig für eine erfolgreiche Kommunikation, denn „Gesten sagen mehr als tausend Worte“. Am Händedruck kann man schon bestimmte Charakterzüge einer Person erkennen, z. B. Entschlossenheit, Schüchternheit, Zielstrebigkeit oder auch Rücksichtslosigkeit. Vorsichtig sollte man vor allem mit der Gestik sein, die nicht überall die gleiche Bedeutung hat.

Ordnung

Jeder ist zuständig für das Aufräumen seines Arbeitsplatzes. Einen ordentlichen Arbeitstisch ist eine Art Visitenkarte, die etwas über dich und deinen Arbeitsstil sagt.

Perspektivenwechsel

Eine sehr gute Methode deine interkulturelle Kompetenz zu trainieren ist der Perspektivenwechsel. Versuch dich in den anderen zu versetzen. Menschen haben (gute) Gründe für ihr Handeln, aber die Gründe bleiben für uns unsichtbar. Wir sehen nur WAS jemand tut, nicht auch das WARUM. Indem du dich fragst: Warum hat er so gehandelt? Was fühlt er dabei? Was sind seine Wertvorstellungen? kannst du dein Gegenüber besser verstehen. Empathie ist eine große Stärke.

Regeln

Wenn du eine neue Stelle bekommst, ist es wichtig, die Teamregeln zu kennen. Jede Firma kann ihre eigenen Regeln erstellen, z.B. Arbeitszeitregelungen, der Umgang mit den Kollegen und den Vorgesetzten, Duzen oder Siezen usw. Diese Regeln solltest du schon am Anfang erfragen.

Smalltalk

Wie du weißt, trennt man in Deutschland Berufliches von Privatem. Als Gesprächsthemen für die Mittagspause eignen sich immer aktuelle Themen aus den Medien, ein Buch, das du gerade gelesen hast, ein schöner Film oder eine Reise.

Tabuthemen

Bei der Arbeit sind bestimmte Themen grundsätzlich unerwünscht. Das sind vor allem Themen, die jemanden in Verlegenheit bringen könnten, die sehr persönlich sind oder Konfliktpotential enthalten. Solche Themen sind z. B. die Höhe des Gehalt, Probleme in der Partnerschaft, Kinderlosigkeit, Krankheit, Politik, Religion, sexuelle Orientierung. 

Urlaub

In manchen Ländern ist es üblich, den Urlaub erst kurz davor anzumelden. Das geht in Deutschland nicht, hier wird der Urlaub Monate davor eingeplant. Du hast einen rechtlichen Anspruch auf Urlaub und Erholung, die Urlaubstage variieren von einer Firma zur anderen, bei einer Fünftagewoche beträgt der Mindesturlaubsanspruch im Jahr 20 Arbeitstage. Der Arbeitgeber muss dir die Urlaubstage bezahlen.           

Vorurteile/Sterotype

Jeder Mensch ist einzigartig, hat seine Werte, seine Überzeugungen und seine Charaktereigenschaften. Deswegen sollte man Personen nicht als  Vertreter ihrer Herkunftsländer betrachten und negative Eigenschaften einer Person nicht auf die Gruppe übertragen. Da wir alle mit Vorurteile aufwachsen, sind diese nicht so leicht abzubauen. Umso wichtiger ist es, immer wieder auch die eigene Meinung und Haltung zu hinterfragen.

Werte, Ehre, Gesichtsverlust

In Deutschland liegt der Akzent auf das Individuum, auf die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. In anderen Kulturen existiert eine Person vor allem als Teil einer Gruppe. Entscheidungen werden zusammen mit der Familie getroffen, das Handeln des Einzelnen hat Konsequenzen für die ganze Gruppe. Ehre überträgt sich auf die Gruppe, genauso der Gesichtsverlust. Daraus ergeben sich große Unterschiede, über die man reflektieren sollte.

Wertschätung

Alle Menschen brauchen Wertschätzung und Anerkennung. Indem du Menschen mit Respekt begegnest und offen für Meinungsaustausch bist, schaffst du ein gutes Arbeitsklima. 

Zeit

Das Zeitempfinden ist kulturell geprägt, daher nicht für alle gleich. In Deutschland ist das Zeitgefühl linear, alles wird bis ins kleinste Detail geplant, in anderen Ländern dagegen sieht man alles viel flexibler. Pünktlich sein, „jetzt“, „gleich“ „später“ haben in verschiedenen Ländern eine andere Bedeutung. Eine halbe Stunde später kommen, kann in manchen Ländern noch als pünktlich gelten.  In  Deutschland dagegen sind zeitliche Vereinbarungen sehr genau einzuhalten. Wer nicht pünktlich ist, wird als respektlos und unseriös empfunden.

Vielfalt als eine wertvolle Ressource

Für ein gelingendes Miteinander sollten wir:

  • Vielfalt als Normalmerkmal jedes Individuums betrachten
  • Anerkennung und Respekt gegenüber Verschiedenheit zeigen
  • Menschen nicht auf ihre ethnische Herkunft reduzieren
  • Offenheit, Achtung und Wertschätzung für Kulturen und Religionen – sowohl der eigenen als auch der anderer Menschen