Mehrsprachigkeit ist Klasse!

Thüringer Landesprogramm zur Förderung von Herkunftssprachen

Thüringen ist mehrsprachig!

Viele Kinder und Jugendliche in Thüringen sprechen mehrere Sprachen. Oft sprechen sie mit ihren Eltern, Großeltern oder Geschwistern eine andere Sprache als Deutsch. Diese anderen Sprachen sind sehr wichtig für die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein. Wir möchten, dass Kinder und Jugendliche lernen, dass Mehrsprachigkeit ein Schatz ist und ihnen dabei helfen, ihre Sprachen zu lernen und zu verbessern. Dafür gibt es in ganz Thüringen Kurse.

 

"Mehrsprachigkeit ist klasse!" - Erfahren Sie hier mehr über das Projekt!

Mehrsprachigkeit? Muttersprache? Herkunftssprache? Ganz schön verwirrend. Wir wollen die Begriffe kurz erklären:

Mit Muttersprache meint man die Sprache, die ein Kind als erstes gelernt hat. Deswegen nennt man sie auch Erstsprache. Wenn Kinder mit mehreren Sprachen gleichzeitig aufwachsen, haben sie manchmal auch mehrere Muttersprachen. Dann wachsen sie mehrsprachig auf.

Ein Beispiel: Fatmas Eltern sind in Syrien geboren und aufgewachsen. Zu Hause und mit der Familie haben sie Kurdisch gesprochen, auf der Straße, beim Einkaufen oder in der Schule und Universität meistens Arabisch. Ihre Muttersprachen sind also Kurdisch und Arabisch.

 

Bei der Herkunftssprache ist das etwas anders. Wenn ein Kind mit Migrationshintergrund in Deutschland aufwächst und zur Schule geht, benutzt es meistens Deutsch. Zu Hause spricht es aber oft eine andere Sprache. Da es diese Sprache aber nur in der Familie spricht, ist es wahrscheinlich, dass das Sprachniveau niedriger ist als bei einem Menschen, der die Sprache im Herkunftsland gelernt hat.

Ein Beispiel: Fatmas Eltern sind nach Deutschland gekommen, als Fatma 3 Jahre alt war. Fatma ist in Deutschland zur Kita und Schule gegangen und studiert jetzt an der Universität. Kurdisch spricht sie nur mit ihren Eltern, Geschwistern und wenn sie die Großeltern in Syrien anruft. Sie spricht Kurdisch nicht so gut wie ein*e Muttersprachler*in, weil sie es nur selten und in immer wieder ähnlichen Situationen mit der Familie benutzt. Kurdisch ist also ihre Herkunftssprache.

Es gibt viele Gründe für die Förderung von Mehrsprachigkeit. Einige Beispiele sind: 

  • Die Gesellschaft und insbesondere Schulen sind schon jetzt mehrsprachig. Viele Kinder sprechen neben Deutsch auch Türkisch, Polnisch, Arabisch, Kurdisch, Dari und viele weitere Sprachen. Und auch Kinder, die nur Deutsch sprechen, haben einen Vorteil: Sie lernen ganz nebenbei weitere Sprachen mit und es fällt ihnen leichter, sich auf andere (Fremd-)Sprachen einzulassen.  

  • Wenn Kinder gleichzeitig mehrere Sprachen lernen, dann überfordert sie das nicht. Ganz im Gegenteil! Die kognitive Entwicklung des Kindes wird gefördert. 

  • Mehrsprachigkeit ist in einer globalisierten Welt eine wichtige Qualifikation. Wer mehrere Sprachen spricht, hat es in vielen Berufen später leichter. 

  • Sprachen sind ein wichtiger Teil der Identität. Für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, dass sie ihre Sprache(n) als etwas Wertvolles ansehen können. Das stärkt das Selbstbewusstsein – und trägt zur Integration bei. Auch die Gesellschaft kann erkennen, dass alle Sprachen wertvoll sind, nicht nur „westliche Prestigesprachen“ wie Französisch, Englisch oder Spanisch.  

Die Kinder sollten gleichzeitig Deutsch und ihre Herkunftssprache lernen. Denn wer die Herkunftssprache beherrscht, lernt auch die Zweitsprache Deutsch leichter, das wissen wir aus verschiedensten wissenschaftlichen Untersuchungen. Kinder, die ihre Muttersprache schlecht beherrschen, können oft auch schlechter Deutsch. 

Kinder, die in ihrer Herkunftssprache gefördert werden, haben bessere Chancen auf einen höheren Schulabschluss. 

Manche Kinder können ihre Sprache schon gut sprechen, müssen aber das Schreiben noch mehr üben. Andere Kinder können vielleicht nur auf Deutsch schreiben, aber nicht auf Arabisch oder Russisch. In den Kursen machen die Kinder da weiter, wo sie gerade stehen. Sie lernen, verbessern und festigen ihre Sprache. Dazu gehört auch, dass die Kinder sich mit der Kultur des Herkunftslandes beschäftigen. Außerdem lernen sie, dass ihre Erstsprache sehr nützlich für sie sein kann und für ihre Persönlichkeit sehr wichtig ist.

Die Kurse bei „Mehrsprachigkeit ist klasse!“ werden von Muttersprachler*innen geleitet. So können die Kinder ihre Herkunftssprachen authentisch lernen. Die Dozent*innen werden über die gesamte Projektlaufzeit von der Kindersprachbrücke geschult, weitergebildet, beraten und begleitet. So können wir sicher sein, dass alle Dozent*innen das gleiche Ziel haben und gute Arbeit machen können. 

Die Kurse sind freiwillig und finden am Nachmittag nach der Schule statt, damit alle Kinder, die möchten, teilnehmen können. Sie können an ganz unterschiedlichen Orten stattfinden, zum Beispiel in einer Schule, einem Gemeindehaus, einem Verein oder einer Bibliothek. Einmal pro Woche treffen sich die Kinder für 2-4 Unterrichtseinheiten (1 Unterrichtseinheit = 45 Minuten) zum Lernen. Die Kurse können vor Ort, aber auch online stattfinden, damit viele Kinder aus einer Region teilnehmen können. 

Mitmachen können alle Kinder und Jugendlichen von 6-21 Jahren, die eine andere Erstsprache als Deutsch gelernt haben. Die Kurse richten sich nach den Kenntnissen der Teilnehmer*innen. Es ist also egal, ob sie Anfänger*innen oder Fortgeschrittene sind.


Online-Infoveranstaltung für Dozent*innen

Kommen Sie zu unserer Info-Veranstaltung und werden Sie Dozent*in im Projekt "Mehrsprachigkeit ist klasse!" am 6.12. um 16:30 Uhr.

 

  • Sie möchten Ihre Muttersprache unterrichten?
  • Sie haben pädagogische Vor- und Fachkenntnisse? 
  • Ihre Deutschkenntnisse sind mindestens auf dem Niveau B1? 

 

In unserem online-Termin erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um Dozent*in bei "Mehrsprachigkeit ist klasse!" zu werden. Über folgenden Link kommen Sie in die Videokonferenz bei MS Teams: https://bit.ly/3FMeFXP

Sie haben Fragen? Oder technische Schwierigkeiten? Melden Sie sich unter mik@kindersprachbruecke.de 

Kontaktieren Sie uns: mik@kindersprachbruecke.de

Unsere Projektpartner

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement gGmbH
MigraNetz Thüringen e.V.
PARITÄTISCHER Thüringen e.V.

Gefördert vom:

Projektleitung
Julia Schnabel

(bis 31.12.2021 Projektleitung Wolfgang Volkmer)

Tel.:   +49 3641 554927-201
Email: julia.schnabel@kindersprachbruecke.de

Beratungssprachen: Deutsch/ Englisch

Öffentlichkeitsarbeit
Maria Hemmerling-Schachtschabel

Tel.:   +49 03641 554927-204
Email: maria.schachtschabel@kindersprachbruecke.de

Beratungssprachen: Deutsch/ Englisch

Bildungszentrum Keßlerstraße 27 | 07745 Jena