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Charlotte-Figulla-Preis 2026: Was bedeutet eigentlich „erWACHSEN“?

Wann ist man eigentlich erwachsen? Mit dieser Frage beschäftigten sich junge Menschen aus ganz Thüringen beim diesjährigen Charlotte-Figulla-Preis 2026. Unter dem Motto „erWACHSEN“ entstanden berührende, kreative und nachdenkliche Beiträge, die zeigten: Erwachsenwerden lässt sich nicht in einem einzigen Moment festmachen. Es ist ein individueller Weg voller Erfahrungen, Fragen, Entscheidungen und Veränderungen. Die Preisverleihung fand gemeinsam mit der Verleihung des 25. Jenaer Preises für Zivilcourage statt. 

Für die Moderatorinnen war bereits während der Vorbereitung spürbar, wie vielfältig das Thema interpretiert wurde. Filme, Gedichte, Collagen, Dioramen und Installationen näherten sich dem Erwachsenwerden aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei ging es um Selbstfindung und Zukunftspläne ebenso wie um Freundschaft, Verantwortung, gesellschaftliche Erwartungen und Unsicherheiten.

„Wann ist man eigentlich erwachsen?“ Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Die Antworten der Teilnehmenden fielen dabei ebenso unterschiedlich aus wie ihre Beiträge. Manche betrachteten das Erwachsenwerden als persönlichen Entwicklungsprozess, andere lenkten den Blick auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen oder die Herausforderungen des Lebens in verschiedenen Teilen der Welt.

Besonders beeindruckend war die Offenheit, mit der die jungen Menschen ihre Gedanken und Gefühle sichtbar machten. So beschrieb eine Preisträgerin des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Erfurt ihr selbst gestaltetes Diorama als eine Reise durch verschiedene Lebensphasen:

„Ein Diorama sind Räume in Miniatur, und genau so habe ich mir das Erwachsenwerden vorgestellt. Es beginnt mit einem hellen, kindlichen Raum. In der Jugend wird alles dunkler und chaotischer. Themen wie Leistung, Zukunft oder Liebe kommen dazu. Das habe ich auch durch Licht und Schatten dargestellt. Im Erwachsenenalter wirkt der Raum aufgeräumter und ruhiger. Man ist nicht mehr so kindlich, aber es wird wieder heller.“

Solche persönlichen Gedanken machten den Abend besonders eindrücklich. Immer wieder wurde deutlich, dass die Jugendlichen das Erwachsenwerden nicht als einen Zustand verstehen, den man irgendwann erreicht hat, sondern als fortlaufenden Prozess des Lernens und Wachsens.

„Erwachsenwerden bedeutet für mich nicht, plötzlich fertig zu sein. Es bedeutet, immer wieder Neues über sich selbst zu lernen und seinen eigenen Weg zu finden.“

Von einer inklusiven Collage über Rechte, Freiheiten und Zukunftsträume der Jettina-Schule Gorndorf über den Kurzfilm „Kopfsache“ von Lina-Marie Lehmann bis hin zu einem über zwei Schuljahre entwickelten Gemeinschaftsprojekt des Karl-Theodor-Liebe-Gymnasiums Gera: Die ausgezeichneten Arbeiten zeigten eindrucksvoll, wie kreativ und reflektiert junge Menschen gesellschaftliche Themen aufgreifen. Besonders bewegend war zudem der Beitrag „Dankbarkeit“ von Ayat Al Hamadi, der Erfahrungen aus Syrien aufgriff und damit eine Perspektive eröffnete, die das Publikum nachhaltig berührte. 

Die Preisverleihung wurde in diesem Jahr bereits zum 22. Mal durchgeführt. Organisiert wird der thüringenweite Wettbewerb von KoKont Jena, der Koordinierungs- und Kontaktstelle im Jenaer Stadtprogramm gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Intoleranz. Unterstützt wird der Preis unter anderem vom Jugendparlament Jena und der Kindersprachbrücke Jena e.V.. Dank der Unterstützung von Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und seit dem vergangenen Jahr auch von Jutta Söhnle-Jünemann, Charlottes Mutter, konnten erneut Preisgelder in Höhe von insgesamt 4.000 Euro vergeben werden. 

Den Auftakt des Abends bildete die Verleihung des 25. Jenaer Preises für Zivilcourage. Ausgezeichnet wurden Laurence Michel und Paul Jakobeit für ihr couragiertes Handeln. Anlässlich des Jubiläums wurde außerdem ein Sonderpreis für kontinuierliches Engagement für ein demokratisches und gewaltfreies Zusammenleben verliehen, der an Rea Mauersberger ging. Damit stand der Abend nicht nur im Zeichen persönlicher Entwicklung, sondern auch für den Mut, Verantwortung für andere und für die Gesellschaft zu übernehmen. 

Die Kindersprachbrücke Jena e.V. bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden, Unterstützer:innen, Jurymitgliedern und Fördernden. Die eingereichten Werke haben eindrucksvoll gezeigt, welche Gedanken, Fragen und Hoffnungen junge Menschen mit dem Erwachsenwerden verbinden – und wie wichtig es ist, diesen Stimmen Raum und Aufmerksamkeit zu geben. 

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