„Ideenbasar“ in Gera: Austausch, Inspiration und praxiserprobte Methoden für das Sozialpädagogische Teamteaching

Wie gelingt ein guter Austausch im Team? Welche Methoden haben sich im Schulalltag bewährt? Und wie können Schüler:innen in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des „Ideenbasars“, der an der Ostschule Gera stattfand.

Der „Ideenbasar“ ist ein internes Austauschformat unserer Kolleg:innen im Sozialpädagogischen Teamteaching (STT). Einmal im Quartal hostet eins der insgesamt vier Teams die Veranstaltung. Dieses Mal kamen insgesamt 21 unserer Kolleg:innen aus ganz Thüringen zusammen, um Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und neue Impulse für ihre tägliche Arbeit mitzunehmen. Dabei stehen neben dem kollegialen Austausch auch immer fachliche Inputs und praktische Methoden im Mittelpunkt.

Vielfältige Themen aus der Praxis

Die Themen des „Ideenbasars“ spiegelten die Vielfalt des Arbeitsalltags im STT wider. Neben dem Austausch zu neurodivergentem Unterricht und kollegialen Fallberatungen wurden auch Erfahrungen zu Zeugniskonferenzen geteilt sowie Ideen für einen gelungenen Neuanfang in Klassen diskutiert.

Auch der Austausch zur Gestaltung der STT-Stunden und die Vorstellung eines Tagebuchprojekts zeigten, wie unterschiedlich die Ansätze sein können, mit denen die Teamteachenden die Schüler:innen begleiten, unterstützen und im Schulalltag stärken.

Teamarbeit erleben: Die Tischtennisball-Methode

Eine der vorgestellten Methoden machte die Bedeutung von Kommunikation und Zusammenarbeit unmittelbar erfahrbar. In Teams von sechs bis acht Personen bestand die Aufgabe darin, einen Tischtennisball von einem Start- zu einem Zielpunkt zu transportieren.

Hierfür hielten jeweils zwei Personen die Enden einer Schnur in den Händen. Je nach Gruppengröße entstand so ein Drei- oder Viereck, auf dem der Ball durch gemeinsames Anheben und geschickte Koordination von Ecke zu Ecke bewegt werden musste. Fiel der Ball herunter, begann die Gruppe erneut.

Was zunächst wie eine einfache Teamübung wirkt, fordert zentrale Kompetenzen heraus: Absprachen zu treffen, aufmerksam zu kommunizieren, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam zu Lösungen finden. Gleichzeitig können Erfolgserlebnisse entstehen, die den Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe stärken.

Die Methode eignet sich für verschiedene Kontexte – überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, gemeinsam Herausforderungen bewältigen oder auch ihre Teamfähigkeit weiterentwickeln möchten.

Tagebuchschreiben als Raum für Reflexion und Beziehungsaufbau

Einen anderen, deutlich ruhigeren Zugang stellt das Tagebuchprojekt einer Teamteaching-Klasse dar. Die Idee wurde durch einen Beitrag des Deutschen Schulportals inspiriert: das ursprünglich aus den USA stammende Change-Writers-Programm.

Bereits seit zwei Jahren ist das Tagebuchschreiben fester Bestandteil einer Klasse. Einmal pro Woche erhalten die Schüler:innen 15 Minuten Zeit, um zu schreiben, zu malen oder ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Dabei geht es nicht um Leistung oder Bewertung, sondern um einen geschützten Raum für die eigene Reflexion.

Anschließend entscheiden die Schüler:innen selbst, ob ihr Tagebuch in einer „geheimen Kiste“ verbleibt oder ob sie es in die Kiste der Lehrkraft legen. Nur im zweiten Fall darf der aktuelle Eintrag gelesen und kommentiert werden.

Diese Methode fördert Selbstreflexion, Emotionsregulation und Konfliktfähigkeit. Vor allem bietet sie jedoch die Möglichkeit, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen und persönliche Einblicke in die Lebenswelt der Schüler:innen zu erhalten. Dabei reicht die Bandbreite der Einträge von individuellen Erlebnissen und belastenden Gedanken über Dankbarkeit bis hin zu ganz alltäglichen Interessen und Hobbys.

Besonders eindrücklich ist die Erfahrung einer Schülerin, die das Tagebuchschreiben inzwischen auch privat fortführt, weil es ihr hilft, ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren.

Ideen, die in die Praxis wirken

Der „Ideenbasar“ machte einmal mehr deutlich, wie wertvoll der fachliche Austausch im Sozialpädagogischen Teamteaching ist. Ob bewegungsorientierte Teamaufgabe oder reflektierendes Tagebuchschreiben – die vorgestellten Methoden zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, Schüler:innen zu begleiten, Beziehungen zu stärken und gemeinsames Lernen zu fördern. Im Video bekommt ihr einen kleinen Vor-Ort-Einblick in die Veranstaltung.

Das Sozialpädagogische Teamteaching wird gefördert durch den Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus).