In der heutigen schnelllebigen und anspruchsvollen geschäftlichen Umgebung spielt die Fähigkeit zur effektiven mündlichen Kommunikation eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Auszubildenden. Die Fähigkeit, sich klar und zielgerichtet auszudrücken, geht weit über den bloßen Austausch von Informationen hinaus. Sie ist nicht nur in beruflichen Kontexten, sondern auch in persönlichen Situationen von unschätzbarem Wert. Diese Fertigkeit beeinflusst nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und den allgemeinen beruflichen Erfolg.

In Anbetracht dieser Bedeutung rückt die Frage in den Fokus: Wie können Auszubildende ihre mündlichen Kommunikationsfähigkeiten gezielt verbessern?Diese zentrale Frage bildet den Ausgangspunkt für die Diskussion in dieser Kachel. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur die grundlegenden Prinzipien der Kommunikation zu verstehen, sondern auch praktische Fähigkeiten zu entwickeln, die in realen beruflichen Situationen anwendbar sind.

Um diese Thematik eingehender zu beleuchten und praxisnah zu bearbeiten, setzen wir auf die kraftvolle Szenario-Methode.


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Warum ist das Sprachtraining mit Szenarios wichtig?

Die Szenario-Technik wurde als Unterrichtsmethode entwickelt, um Lernende auf schriftliche und mündliche Situationen im Berufsalltag so vorzubereiten, wie sie am jeweiligen Arbeitsplatz gebraucht werden. Ein Szenario stellt daher eine Kette verschiedener Sprachhandlungen dar, wie sie realistischerweise in der beruflichen Kommunikation vorkommen. Die Arbeit nach dieser Methode erlaubt es somit auch im Ehrenamt, an den konkreten Bedarfen der Mentees zu arbeiten und realitätsnah Handlungssituationen vorzuentlasten oder nachzuspielen, sodass sich die Auszubildenden oder Praktikant:innen gut oder besser auf die verschiedenen Kommunikationssituationen vorbereitet fühlen. Im Gegensatz zu Rollenspielen oder dem Nachsprechen von Dialogen aus Lehrwerken beinhalten Szenarien mehrere, aufeinander aufbauende Aufgaben (vgl. Sass/Eilert-Ebke 2014, 6).

 

So gehören beispielsweise zu einem Lernszenario im Berufsfeld „Friseur“ folgende Teilszenarien dazu:


Bei dieser Auflistung wird schnell deutlich, dass es in einem Szenario nicht nur um das Training einzelner Sätze oder grammatischer Strukturen geht, sondern soziale Prozesse trainiert werden, die eigenes Denken und Handeln versprachlichen und dabei komplexe soziale Kontakte initiieren oder aufrechterhalten. Damit können berufsübergreifend Strategien vermittelt und Schlüsselqualifikationen erworben werden. Dazu zählen beispielsweise die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Gesprächspartner:innen einzustellen, eine positive Gesprächsatmosphäre zu schaffen, aktiv zuzuhören und/oder in Konfliktsituationen zu moderieren.

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Durch den Einbezug verschiedener Akteure in den einzelnen Teilszenarien (z.B. Vorgesetzter; Mentee, Kunde/Kundin, Kollege/Kollegin) können Sprachformen sowohl in Stil und Register (formell/informell; fachsprachlich/allgemeinsprachlich; mündlich/schriftlich), Textsorte (Telefonauskunft/ Beratungsgespräch/ Rechnung ausstellen) und Sprachhandlung (argumentieren/begründen/ beschreiben) abwechslungsreich und an den jeweiligen Bedürfnissen des Mentees orientiert, trainiert werden. Zudem können non-verbale und interkulturell interessante Aspekte wie Körperhaltung, Stimmlage, Blickkontakt, räumliche Distanz oder auch das Erscheinungsbild, das vielleicht unterschiedlich bewertet wird, diskutiert werden.

Wie funktioniert die Szenario-Technik?

Um realitätsnahe Szenarien zu entwickeln, ist es wünschenswert, sich vom Mentee einen Arbeitstag beschreiben zu lassen und somit verschiedene Sprachhandlungen z.B. in einem Schaubild verschriftlicht, darzustellen.


In einem zweiten Schritt kann herausgearbeitet werden, welche Kommunikationssituationen sich entweder immer wiederholen und daher automatisiert werden sollten oder in welchen sich der Lernende noch sehr unsicher in der sprachlichen Bewältigung fühlt. Danach sollte überlegt werden, wie die einzelnen Sprachhandlungen in einen aufeinander abfolgenden Kommunikationsprozess aus dem Berufsalltag überführt werden können, um sie in einen situativen Kontext zu stellen.

Die Reihung kann hier nach Schwierigkeitsgrad gesteigert werden, also z.B.  

  • Informationen erfragen, fehlende Informationen ergänzen, Informationen weitergeben,
  • Produkte beschreiben, Prozesse erklären, Prozesse dokumentieren,
  • Unterschiede vergleichen, Meinungen vertreten,
  • Ergebnisse präsentieren,
  • (konflikthaltige) Gespräche moderieren, verhandeln

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Nach diesen sprachlichen Mustern kann man die gemeinsam festgelegten Sprachhandlungen in eine Reihenfolge für ein bestimmtes Szenario bringen. Für jede sprachliche Teilhandlung (Schritt 1 bis Schritt X) können dann Wortschatz, Grammatik oder Strategien wiederholt werden, um diese vorzubereiten. Es empfiehlt sich mit max. 3 Schritten zu beginnen. Abschließend werden für jedes Teilszenario Rollenkärtchen für die Anzahl der beteiligten Personen angefertigt, in der kurz die Situation beschrieben und die kommunikative Aufgabe formuliert wird.

Wie sollte man Lernszenarien didaktisch begleiten?

Die wichtigste Aufgabe als ehrenamtlicher Sprachbegleiter/ehrenamtliche Sprachbegleiterin haben Sie bereits erfüllt, wenn Sie sich die Zeit nehmen, mit dem/der Mentee über seinen/ihren Berufsalltag und die damit verbundenen sprachlichen Herausforderungen zu sprechen. Wenn Sie im nächsten Schritt Sprachhandlungen identifiziert haben, an denen es sich lohnt, intensiver zu arbeiten, ist es Ihre Aufgabe, die einzelnen Schritte des Szenarios gut zu planen und z.B. nach Schwierigkeitsgrad zu strukturieren. Gerade Rollen, die einen Wechsel des Sprachregisters verlangen (z.B. abwechselnd in einem Gespräch mit KundInnen und KollegInnen) sollten zuerst von Ihnen übernommen werden, während der/die Mentee eine Rolle übernimmt, die eindeutiger in der Sprachnorm ist. Die Szenarios selbst sollten einmal komplett durchgespielt werden und nicht von Nachfragen, Korrekturen oder dem Nachschlagen von Wörtern unterbrochen werden. Gerade das Erfolgserlebnis, eine komplexe berufsbezogene Sprachhandlunge gemeistert zu haben, motiviert.

Die spielerische Umsetzung des Szenarios, in dem die Rollen getauscht oder weitere Personen einbezogen werden können, motiviert Lernende nicht nur, sich in der Sprache auszuprobieren, sondern macht Spaß. Je vertrauter beide Seiten dann mit der Methode sind, umso eher ist denkbar, Szenarios auch (bspw. mit dem Handy) aufzunehmen, Filmclips zu erstellen und diese zu teilen oder zu für ein Auswertungsgespräch zu nutzen (Was fällt Dir auf, wenn Du Dich hier in der deutschen Sprache handeln siehst? Wie ist Deine Stimmlage? Deine Körperhaltung?).


Literatur:

Sass, Anne / Eilert-Ebke , Gabriele(2014): Szenarien im berufsbezogenen Unterricht Deutsch als Zweitsprache. Grundlagen, Anwendungen, Praxisbeispiele. Passage: Hamburg. Online verfügbar unter: https://www.netzwerk-iq.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/IQ_Publikationen/Thema_Sprachbildung/BD_Szenarien_2014_web.pdf 

Svet, Anna (2019). Szenario-Methode zur Förderung der beruflichen Handlungskompetenz. Online unter: www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00045905

Kuhn, C. (2018). Szenarien im berufsorientierten Fremdsprachenunterricht: Planung, Unterrichtseinsatz, Assessment und Evaluation. Online unter: https://doi.org/10.1111/tger.12072